12.1.2018 um 21:00 Uhr

Abu Simbel

Endlos erstreckt sich die Wüste bei zum Horizont. Gelber, feiner Sand weht in Wolken über Dünen, kleine Hügel und Fläche Täler. Die Sonne scheint so grell, das man die Augen schließen muss. Und doch scheint in relativer Nähe ein See zu sein. Dunkel erhebt sich eine Insel aus fast schwarzem Basalt aus den vermeintlichen Fluten. Und doch ist es nur ein Trugbild, eine Fata Morgana, die wir sehen. So erlebte ich das Naturphänomen heute zur Mittagszeit. Faszinierend, aber auch in der Vergangenheit oft genug tödlich. Heutzutage jedoch, wo wir nicht mehr mit Kamelen die Wüste durchqueren, sondern mit den Auto oder Bus sehr schnell sehr große Distanzen überwinden, ist dies nur noch eine kleine Gefahr. Trotzdem nicht zu unterschätzen. Mindestens genauso beeindruckend war aber der eigentliche Grund unseres Ausfluges. Eigentlich in der Wüste gelegen und doch am Ufer des Nasser Sees, besuchten wir heute das größte und imposanteste Bauwerk von Ramses II.. Die beiden Tempel von Abu Simbel. In einem wurde er selbst als Gott verehrt, in seinem Gegenstück seine Hauptfrau Nefertari. Der Haupttempel mit seinen vier 20 Meter hohen Sitzstatuen am Eingang ist total beeindruckend. Aber man kommt kaum aus dem Staunen heraus, wenn man den Tempel betritt. Denn in der ersten Säulenhalle sind weitere acht aus dem Fels gehauene Statuen. Dazu kommen etliche Nischen, Gänge und Kammern. Nahezu sämtliche Wände sind mit bemalten Reliefs versehen, deren Farben noch deutlich erkennbar sind. Und wir sprechen hier von gut 10-12 Meter hohen Wänden allein im ersten Saal. Faszinierend ist ebenfalls, das nur zweimal im Jahr, zur Sonnenwende, die ersten Sonnenstrahlen 47 Meter tief in den Fels scheinen, um das Heiligtum ganz am Ende zu erleuchten. Absolute Präzisionsarbeit! Kleiner, aber nicht weniger beeindruckend ist der Tempel der Nefertari nur wenige Meter weiter. Allerdings stehen hier 6 Statuen am Eingang, nur vier sind in der Säulenhalle und der Tempel ist nicht ganz so tief. Aber ebenso geschmückt und verziert bzw behauen und bemalt. Steht man vor beiden Tempeln, ist man völlig geplättet! Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, würde der ganze Tempelkomplex in den 1960er Jahren komplett versetzt. Man hat quasi einen ganzen Berg versetzt! Mit Hieroglyphen im Fels, Statuen und allem drum und dran. Ansonsten wäre der ganze Tempelkomplex in den Fluten des Nasser Sees komplett versunken. Glücklicherweise wurde er gerettet und blieb erhalten.

Anstrengend war der Tag schon, denn es ging ja bereits um 4:30 Uhr los. Sonnenaufgang in der Wüste auf der Hinfahrt (,es ist übrigens tatsächlich ein Teil der Sahara!), Abu Simbel und Fata Morgana auf der Rückfahrt. Zum Mittag waren wir zurück und konnten eine kleine Siesta halten. Am Nachmittag aber genossen wir noch ganz entspannt eine kleine Fahrt per ägyptischen Segelboot auf dem Nil. Das war wirklich sehr schön und äußerst entspannend. Da könnten wir endlich die Felsengräber auf der anderen Uferseite richtig sehen. Wir ankern nämlich fast direkt gegenüber. Auf der anderen Seite kommt die Wüste tatsächlich bis ganz an den Nil heran. Bis zum Ufer! Völlig verrückt! Mal gibt es breite Uferstreifen, auf denen Zuckerrohr und Bananen wachsen, mal sieht man kaum eine grüne Uferböschung. So, morgen geht’s wieder stromabwärts mit Kurs auf Kom Ombo.

Fata Morgana in der Sahara im Süden Ägyptens

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