13.2.2019 um 13:00 Uhr

Trondheim, Norwegen

Nach gefühlten 2 Seetagen sind wir tatsächlich heil in Trondheim angekommen. Die letzten zwei Nächte zumindest waren alles andere als ruhig. Und ich dachte schon, ich hab alles überstanden. Nee, natürlich hielt Neptun zum Ende meines Vertrages noch eine Prüfung für mich parat! Es gab Seegang! Und was für welchen. Also an sich war die See nicht sonderlich hoch, aber der Wind kam stundenlang von Steuerbord und brachte das Schiff in permanente Schieflage. Dann und wann krachten noch ein paar extra Wellen gegen die Seite, mal von Backbord, mal von Steuerbord, was eine echt fiese Art von Schaukelei zur Folge hatte. Ich glaube, ich hatte schon erwähnt, das mein Bett falsch zur Fahrtrichtung liegt, nämlich quer. Also rollte ich nicht schön angenehm von rechts nach links, sondern wippte eher mit den Füßen und mit dem Kopf rauf und runter. Meist war der Kopf am falschen Ende. Jedenfalls konnte ich ewig nicht einschlafen. Und wie es dann fast glücken wollte, kam der Anruf, den ich schon längst befürchtet hatte. Auf geht’s zur Schadensbeseitigung! Nun, mein Restaurant sah auch nicht mehr so schön gesichert und aufgeräumt aus, wie ich es verlassen hatte. Irgendwie sah es ganz anders aus. Die Stühle standen alle auf einer Seite, die Besteckständer lagen in einem wüsten Durcheinander unter den Tischen, anstatt ordentlich gesichert auf den Tischen. Selbst schwere Bodenvasen lagen wie aus dem Würfelbecher geschüttelt halb zerbrochen und demoliert in der Ecke. Dazu selbstverständlich hübsch verziert mit blinkenden Stückchen von Weingläsern und eher grob behauenen Fragmenten von Tellern. Und zwar im gesamten Restaurant. An allen 119 Tischen! Hatte ich schon die Dekoration der Küche erwähnt, die jetzt den Boden großflächig bedeckte? Ja, die gab es auch. Und trotz des Chaos, kam ich noch halbwegs glimpflich davon. Der Shop sah richtig übel aus. (Am nächsten Tag gab’s große Rabatt Aktion! Nee, Spaß! Die war geplant!) Spitzenreiter war aber wohl unsere Hauptküche, wo sämtliche Töpfe, Pfannen, große und kleine Schüsseln und Behälter samt Inhalt von Tischen und Herden gefegt wurde und über den Boden verteilt lag. (Am nächsten Tag gab’s Eintopf! Nee, Spaß! Der war auch geplant!) Alles in allem hat mich die Aufräum-Aktion die Nacht gekostet. Nämlich von 1:30 bis 4:00 Uhr, wobei ich natürlich um 5:30 Uhr meinen regulären Dienst wieder anfangen musste. The Show must go on! Aber ich muss auch dazu sagen, ich hatte grossartige Hilfe von meinem Bar-Kollegen und meiner Chefin höchstpersönlich.

An den letztem zwei Landtagen, Trondheim und Bergen, werde ich wohl eher an Bord bleiben und verpassten Schlaf nachholen. Nachdem ich nun diese phantastische Nordlicht-Erfahrung gemachte habe, haben sich alle Wünsche erfüllt. Für alles andere bin ich zu erschöpft, auch wenn es neue Häfen sind und es sicher viel zu entdecken gibt. Außerdem sind die Liegezeiten zu kurz und das Wetter noch immer zu schlecht. Da bleibe ich lieber an Bord und erhole mich, so gut es geht. Die letzten Tage vergehen ohnehin wie im Flug. So langsam muss ich ans Packen denken…

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