Jerusalem

Der letzte Tag ist nun schon wieder fast vorbei. An unserem letzten Tag in Jerusalem tauchten wir noch einmal ganz tief in die Geschichte der Stadt ein. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten hatten wir uns bis zum Schluss aufgespart. Es fing recht gemächlich an mit einem Besuch beim Präsidenten und dem Parlament. Leider auch bei strömendem Regen. So erfuhren wir noch ein wenig über die komplizierte Regierungsbildung, die derzeit ansteht, und deren Vorgeschichte natürlich. Alles nicht so einfach. Übrigens war heute, am „jüdischen Sonntag“ im jüdischen Viertel quasi nix los. Kein Auto auf der Straße, kaum ein Mensch zu sehen, kein Geschäft geöffnet. Die Religion gestattet keinen Handschlag an diesem Tag, noch nicht einmal das Benutzen elektrischer Geräte. Verrückt! Die Zeit bleibt einfach stehen!

Dann ging es aber richtig los. Ganz wichtig: der „Schrein der Buches“. Hier werden die Schriftrollen von Qumram restauriert, studiert, konserviert und präsentiert. Allein die Qualität der Rollen ist sagenhaft! Wie gut sie erhalten sind, mag man kaum glauben! Der Fund liegt über 70 Jahre zurück, doch braucht man sicher noch weitere 70 Jahre, um sie komplett zu entziffern und die Arbeiten abzuschließen. Immerhin 2000 Jahre Geschichte! Ebenfalls auf dem Gelände des Museums steht ein Stadtmodell im Maßstab 1:50 vom Jerusalem zu Zeiten Christi. Der 2.Tempel steht noch und die römischen Siedlungen sind fast komplett, ebenso wie die 3. Stadtmauer. Wie die Miniaturstädte, doch sehr viel kunstvoller und plastischer, vermittelt es ein ziemlich gutes Bild der Stadt zu Zeiten Jesu. Ihm folgten wir auch den gesamten Nachmittag über. Also zumindest seinem letzten schweren Gang entlang der berühmten Via Dolorosa, dem Leidensweg Christi mit seinen 14 Stationen. Entlang unzähliger Basarstände mit silbernen Öllampen, bunten Tüchern, hässlichen Magneten, duftenden Gewürzen, übelriechendem Weihrauch, nachgemachten T-Shirts und allerlei touristischem Klimbim. Zwischendurch nahmen wir immer wieder Bezug auf die Stationen von Jesus. Wo er stürzt, wo ihm geholfen wird usw. Überall hat man Markierungen angebracht und eine Kapelle oder zumindest ein Gedenkstein errichtet. Oftmals ist der Weg über die Jahrhunderte verbaut, Straßenzüge haben sich geändert, Häuser enstanden und wurden wieder abgerissen. Und das Pflaster ist rutschig wie eh und je. Schließlich standen wir vor der Grabeskirche. Natürlich war sie völlig überfüllt und von Weihrauch vernebelt. Die Armenischen Priester sangen ihre Messe und ein guter Teil war leider abgesperrt. Nach Jahren haben sich die 6 religiösen Gruppen endlich auf eine Restaurierung geeinigt. Jede Gruppe „besitzt“ einen bestimmten Teil in dieser Kirche und hütet seine Hoheitsrechte wie das eigene Leben. Kompromisse zu finden ist ein jahrelanger Prozess und fast unmöglich. Immerhin konnten wir zum Felsen von Golgota, zum Salbungsstein (den ich berühren konnte!), zur Helenakapelle im 1. Untergeschoss und zur Kreuzauffindungskapelle im 2. Untergeschoss. All das ist in der großen Kirche. Das eigentliche Heilige Grab konnten wir leider nicht sehen. Das ist im Prinzip nur eine Felsnische in der kleinen Heilig-Grab-Ädikula (Kapelle) innerhalb der Kirche, und hier standen einige hundert Menschen an. (Doch ich bin auch so sehr zufrieden!) Ziemlich geschafft sind wir wieder raus und konnten die Menschenmassen hinter uns lassen.

Unser letzter Punkt der Tagesordnung war am letzten Rest des 2.Tempels: die Klagemauer. Streng bewacht, doch gar nicht so überlaufen, wie befürchtet. Und das Gute war: sie ist zugänglich für alle und jeden! Sie ist nicht einzig den Gläubigen vorbehalten. Auch hier musste ich Hand anlegen, den Stein fühlen. Wenn der reden könnte…! Das sind so die ältesten Zeugnisse der Geschichte, die heute noch existieren und die man spüren kann. Auch die Pyramiden habe ich damals berührt. Und auch dieser Stein ist gute 2000 Jahre alt. Das sind Gänsehautmomente!

Nun aber ist die Reise zu Ende. Morgen geht’s wieder heim. Ich habe viel gesehen und erlebt. Ich habe es genossen, und mir wurden alle Wünsche erfüllt. Für dieses Jahr reicht es nun auch mit dem Reisen. Ich muss jetzt erstmal allen sacken lassen. Morgen noch ein Spaziergang am Vormittag durch die Altstadt, am Nachmittag ab in den Flieger!

Tempelberg
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