Also ich muss sagen, die Stadt Liverpool gefällt mir immer mehr. Sie hat nicht nur eine ziemlich alte Geschichte, sie hat auch eine äußerst interessante Architektur, ein interessanter Mix aus alten viktorianischen und neuen futuristischen Gebäuden, sie hat auch eine bunte Kultur Szene, eine beeindruckende Pub Szene und auch der Sport – repräsentiert durch den FC Liverpool, eine der Top League Europas – kommt wohl nicht zu kurz. Gut, das Stadion mit knapp 53.000 Plätzen lass ich mal links liegen. Aber den Rest habe ich mir schon angeschaut. Letztes Mal hab ich ja viel Zeit in der Kathedrale verbracht und war sehr beeindruckt, diesmal stand mir den Sinn etwas mehr nach Kunst und Kultur. Also bin ich los. Erst ein wenig an der Pier entlang, vorbei an witzigen Street Food Bussen bis zu den historischen Docks, wo ich einige interessante Skulpturen, Denkmäler und Plastiken fand. So unter anderem eine Schiffsschraube der MS Lusitania, dem Schwesterschiff der Titanic. Ein beeindruckend großes Teil! An den Beatles kommt man natürlich nirgendwo in der Stadt vorbei, denn an jeder Ecke lauern die vier Pilzköpfe. Doch dann gelangte ich endlich zum dreiteiligen Gebäudeensemble William Brown Library and Museum im Stil des Spätklassizismus von 1860. Darin ist neben einem World Museum auch die Liverpooler Bibliothek und die Gemäldegalerie untergebracht. Die Bibliothek hat, wie so viele ihrer Art, eine wirklich beeindruckende Architektur. Eine klassische Gebäudefassade, doch innen hochmodern mit großem ovalem Portikus, also einem Dachfenster. Ganz oben gibt’s sogar einen Dachgarten, mit herrlichem Blick über die Stadt. Heute jedoch leider wegen einer Veranstaltung geschlossen. Doch sonst Reihen um Reihen Bücher ohne Ende, gut sortiert und aus allen Bereichen. Auf Anhieb fand ich spontan das Buch meiner Inspiration (Spirit von Jessica Watson auf englisch natürlich), aber auch ein Buch über die Himmelsscheibe von Nebra, was ja quasi vor meiner Haustür liegt. Nebenbei gibt’s auch ein Ton Archiv und ein Archiv auf Microfilmen. Und jede Menge moderne PC Arbeitsplätze. Wirklich cool! Nebendran ist dann die Gemäldegalerie, die größte des englischen Nordens. Die Skulpturen fand ich wunderschön, doch waren es nicht viele. Einige moderne (aus dem 19. Jahrhundert) Gebrauchsgegenstände wurden ausgestellt und eine kleine Ecke zum Leben und Schaffen von Viviane Westwood, der britischen Modedesignerin von Weltrang, gab es auch. Im oberen Stockwerk aber waren ein Dutzend Räume mit wunderbaren Gemälden eingerichtet. Fast sämtliche aus allen Bereichen des Mittelalters, also Barock, Renaissance und Gothic aus England, Frankreich, Deutschland und Holland. Große Meister waren ebenso vertreten wie unbekannte, doch nicht weniger gute Künstler ihrer Zeit. Sogar eine Kopie der Mona Lisa war zu sehen! Rembrandt, Cesanne, Hohlbein ect. Und, streng getrennt, auch ein Bereich mit moderner Kunst, dem ich aber, wie immer, so gar nichts abgewinnen konnte. Jedenfalls taten mir am Ende meine Füße weh und die Kamera war auch am Ende. Ich muss wohl noch etwas üben, wenn ich in zwei Monaten auf Sightseeing Tour gehen will. Oder ich brauche besseres Equipment. Oder andere Füße.
Nun steht nur noch Southampton für diese Reise auf dem Programm und zwei Seetage. Dann haben wir einen großen Crew Wechsel und auch ich werde in einen anderen Dienst wechseln. Dies bedeutet dann wohl, daß ich auch weniger rauskomme und wieder den Dienstplan schreiben werde. Aber das ist okay. Ich wollte England sehen, und das habe ich. Nun kommt nur noch Mittelmeer und wieder Karibik. Damit kann ich leben.

